Mit Sommerreifen im Winter fahren?


Der Winter fordert Auto und Autofahrer gleichzeitig. Wenn es draußen gefriert oder Schnee den Asphalt bedeckt, wird es ungemütlich und der Tag beginnt mit Scheiben kratzen. Nach einigen Kilometern ist auch der Innenraum warm und einer sicheren Fahrt ans Ziel steht nichts mehr im Wege – vorausgesetzt es sind Winterreifen aufgezogen sind.

Winterreifenpflicht in Deutschland

Mit Sommerreifen im Winter unterwegs zu sein, ist weder eine gute Idee noch erlaubt. Seit 2010 gilt in Deutschland die situative Winterreifenpflicht. Demnach muss bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte eine Bereifung gewählt werden, bei der das Profil der Lauffläche so konzipiert ist, dass der Reifen bessere Fahreigenschaften gewährleistet als Sommerreifen. So will es § 2 Abs. 3a Satz 1 und 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Lange Zeit war es erlaubt, Reifen mit M+S-Kennung im Winter zu benutzen. Inzwischen gelten laut § 36 Abs. 4 der StVZO nur Reifen als wintertauglich, die über das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) nach Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) verfügen. Es gibt jedoch eine Übergangszeit: Wurden die M+S-Reifen vor dem 31. Dezember 2017 hergestellt, dürfen sie noch bis 30. September 2024 verwendet werden.

Schneeflockensymbol vs. M+S-Reifen

Doch warum werden die M+S-Reifen abgeschafft? Weil sie keine Prüfkriterien erfüllen. Das heißt im Klartext: Jeder Hersteller kann seine Reifen beliebig mit M+S kennzeichnen, auch wenn diese gar nicht für winterliche Bedingungen geeignet sind. Das ist lebensgefährlich. Das Schneeflockensymbol hingegen erhält ein Reifen nur dann, wenn er bei einem Test der amerikanischen Straßenbehörde NHTSA eine um mindestens sieben Prozent bessere Traktion auf Schnee und Eis gegenüber einem Referenzreifen erreicht hat. Von der Neuregelung der Winterreifenpflicht im Jahr 2018 profitieren vor allem Motorradfahrer. Einspurige Kraftfahrzeuge sind nun von dieser Auflage genauso befreit wie beispielsweise Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft. Die Winterreifenpflicht war für Biker insofern problematisch, weil kaum ein Hersteller Winterreifen für Zweiräder angeboten hat. Ohnehin lassen viele ihr Motorrad bei winterlichen Witterungsverhältnissen lieber stehen und weichen auf andere Verkehrsmittel aus.

Bußgeld und Punkte bei Sommerreifen

Die Verschärfung der Winterreifenpflicht hinsichtlich der M+S-Reifen hat gute Gründe: Immer noch ist eine falsche Bereifung die Ursache für zahlreiche Unfälle im Winter, die oft tödlich enden. Wer bei Eis und Schnee mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert nicht nur das eigene Leben, sondern auch das anderer Verkehrsteilnehmer. Zudem droht ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro und ein Punkt im Verkehrszentralregister. Gab es eine Behinderung, erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro, bei einer Gefährdung auf 100 Euro und bei einem Unfall auf 120 Euro. 

Inzwischen wird übrigens nicht mehr nur der Fahrer bestraft, sondern auch der Halter des Fahrzeugs – er muss mit einer Geldbuße von 75 Euro und der Eintragung eines Punkts im Fahreignungsregister rechnen, weil er die Fahrt mit Sommerreifen erlaubt hat. Bei einem Unfall kann es mit Sommerreifen abgesehen vom Bußgeld noch teurer werden. Selbst wenn man nicht der Verursacher ist, trägt man eine Mitschuld. Diese Mithaftung führt dazu, dass die Versicherung nicht die volle Schadenssumme übernimmt. Ohne Konsequenzen bleibt hingegen das Parken mit Sommerreifen im Winter, denn die Winterreifenpflicht gilt nur dann, wenn das Fahrzeug in Bewegung ist. 

Im Winter sind Sommerreifen eine Gefahr für alle beteiligten 

Unterschiede zwischen Sommer- und Winterreifen

Dass Sommerreifen nicht für den Betrieb im Winter geeignet sind, liegt an der unterschiedlichen Beschaffenheit von Sommer- und Winterreifen. Im Profil von Winterreifen finden sich sehr viele Lamellen. Sie verzahnen sich mit dem Untergrund, wodurch sich die Traktion des Reifens verbessert. So gelingt das Anfahren bei Schnee und Glätte problemloser und der Bremsweg verkürzt sich. Darüber hinaus ist die Gummimischung weicher als bei Sommerreifen, weil sie mehr Naturkautschuk enthält. Das gewährleistet, dass der Pneu auch bei niedrigen Temperaturen flexibel bleibt und nicht zu hart oder brüchig wird.

Der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel

Es gibt also gute Gründe für Winterreifen bei Eis und Schnee. Doch wann sollte man die Bereifung wechseln? Einen vorgeschriebenen Termin gibt es in Deutschland nicht, weil die Winterreifenpflicht von den Witterungs- und Straßenverhältnissen abhängig ist. Laut einer Statista-Umfrage wechseln 40 Prozent der deutschen Autofahrer im Oktober von Sommer- auf Winterreifen und halten sich damit an die O-bis-O-Regel: von Oktober bis Ostern. 21 Prozent machen den Reifenwechsel im November und 15 Prozent, wenn schlechtes Herbstwetter einsetzt. 

In manchen Regionen sind Schneeketten Pflicht 

Anders als in Deutschland ist die Winterreifenpflicht in anderen europäischen Ländern nicht situativ, sondern gilt für einen bestimmten Zeitraum. Das ist beispielsweise in Bosnien-Herzegowina von 15. November bis 15. April der Fall und in Finnland zwischen 1. Dezember und 28. Februar. In einigen Regionen gelten unterschiedliche Vorgaben je nach Fahrzeuggewicht. Vor einer Reise in den Winterurlaub sollte man sich daher immer genau über die örtliche Winterreifenpflicht informieren und auch darüber, ob Schneeketten mitgeführt werden müssen.

Bildquellen:
(Bildquelle: https://pixabay.com/de/winterreifen-sommerreifen-winter-2823077/)
(Bildquelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Snow_Chain_Honda.jpg)

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