Finnland hatten wir nie auf dem Plan für unsere Motorrad Weltreise. Schaut man allerdings auf die Karte, sieht man deutlich die verlockende Grenze zwischen Finnland und Russland. Also warum nicht? Wir haben keinen Boss mehr, der uns vorschreibt, was zu tun ist. Fähre gebucht, Motorräder verpackt, auf geht es nach Helsinki!

Dort angekommen treffen wir uns mit Paula, sie beherbergt uns und sorgt für weitere positive Punkte bei unseren Couchsurfing-Erfahrungsberichten. Erst schauen wir uns gemeinsam die Sehenswürdigkeiten der Stadt an, um danach gemeinsam am Ufer zu picknicken. Helsinki im Frühling und perfektes Wetter machen diesen Abend unvergesslich – und das war bevor Paula Ihre Gitarre auspackt und ihre Songs zum Besten gibt.

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Über Zentralfinnland nehmen wir eine wahre Traumstraße in den Süd-Osten. Die Landstraße 62 ist ein Muss für jeden Motorradreisenden. Vorbei an unzähligen Seen über Hügel und Brücken und selbst Offroad-Momente auf perfekt ausgebauten Pisten sind dabei. Motorradfahrer-Herz was begehrst du mehr – Vielleicht ein deftiges Barbecue? Und so kommt es dann auch. An einer Tankstelle treffen wir Christian, ebenfalls über Couchsurfing und ebenfalls begeisterter Motorradfahrer. Er sitzt auf einer wahren Legende, der R80 GS, als er uns fragt, ob wir noch Lust auf eine kleine Tour haben. Klar haben wir Lust! Über Stock und Stein fahren wir teils am Wald, teils im Wald, vorbei an Seen, die als Trinkwasserreservat dienen, durch die einzigartige Flora Finnlands. Wir halten an einer Hütte inkl. Grillplatz, selbst Feuerholz liegt bereit. “Das ist für jedermann. So sind wir Finnen nun mal.”

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Wohl genährt führt uns Christian zum Bauernhof seines Kumpels. Ehe wir uns versehen können, tragen wir Holz zu einer Sauna. Ein paar Minuten später sitzen wir gemeinsam schwitzend bei Aufguss, abwechselnd mit Birken-Blättern und Bier in der Sauna und kühlen uns an der frischen Luft ab.

Es sind diese Momente auf Reisen, die dir wie eine Ewigkeit vorkommen. Wir sind erst 3 Tage in Finnland, haben aber mehr erlebt als es hier Platz zum Erzählen gibt.

Am nächsten Tag heißt es für uns, schwersten Herzens “Auf Wiedersehen” zu sagen. Wir satteln unsere Bikes – Russland wartet auf uns!

Als wir vor der Grenze stehen, kribbelt es im Bauch. Wir lassen nicht nur die EU und die Nato hinter uns, sondern auch das Urlaubsgefühl. Hier an dieser Grenze verwandeln wir unseren Trip von einer Ausfahrt in ein Abenteuer.

An der Grenze erregen unsere Reisepläne aufsehen. Bis Indien haben wir nahezu alle Visa bereits in unseren Pässen. Wir werden in einen kleinen Verhörraum gebracht.

“Wohin reisen Sie?”

- “So weit wir können.”

” Warum reisen Sie durch so viele muslimische Länder?”

- “Neugier.”

“Warum reisen Sie mit dem Motorrad?”

- “Weil es Spaß macht!”

Das geht durch und wir sind wieder frei!

In den folgenden Wochen entdecken wir ein Russland, wie wir uns es nicht vorgestellt haben. Auf teilweise perfekt ausgebauten Straßen legen wir über 3000 km zurück. In Sankt Petersburg lassen wir uns von 2.300 Palästen umhauen in einer Stadt, die geschichtsträchtiger nicht sein könnte. Wir genießen Moskaus kosmopolitischen Charakter, der seinesgleichen sucht. Wo in Deutschland Parks abgerissen werden, um Bahnhöfe unter die Erde zu legen, werden in Moskau Straßen für neue Parks geopfert. Das Leben im Sommer findet in Moskau hauptsächlich in Parks statt und das Leben braucht Platz – keine Straßen.

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Wir dringen über das Uralgebirge (endlich wieder Kurven!) bis nach Sibirien vor und verlassen den europäischen Kontinent. Auf Ausflügen auf Nebenstraßen durch das ölreiche Tatarstan fliegen wir durch abwechslungsreiche Landschaften über perfekte geteerte Straßen. Die vielen Seen (und die vielen Moskitos) lassen uns denken, wir sind wieder zurück in Finnland.

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Als wir in Kurgan ankommen, haben wir 3000 km durch Russland zurückgelegt und das Fazit fällt anders aus als wir es zu Beginn gedacht hätten. Wir haben keinen Rubel Schmiergeld gezahlt. Die Straßenverhältnisse waren zum größten Teil völlig in Ordnung und die gefürchteten Überholmanöver kamen meistens von deutschen Motorrädern.

Außerdem haben wir viele Menschen kennengelernt, die es uns jedesmal schwer gemacht haben zu gehen.

Wir stehen an der Grenze nach Kasachstan und freuen uns auf ein Land, vor dem wir gewarnt worden sind. Es sei gefährlich und korrupt. Die Warnenden sind dieses mal keine Finnen, sondern Russen. Wir freuen uns darauf unsere eigene Meinung bilden zu dürfen! Zum ersten Teil der Reise geht es hier!

hfcwg haapsalu

Fou und Stefan von howfarcanwego.de trauen sich ihren Traum zu leben. Sie bereisen die Welt mit dem Motorrad. Los ging es in Stuttgart. Wo und wann es enden wird, wissen auch die beiden nicht. Wir sind gespannt und freuen uns auf die monatlichen Updates der beiden!

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